Cersaie und Marmomac 2026: Materialtrends für Bad und Private Spa

Cersaie Bologna · Marmomac Verona · Iris Ceramica · Antolini
Neuheiten sind schnell. Relevanz braucht Urteilskraft.
Was auf einer Messe beeindruckt, muss zu Hause noch lange nicht funktionieren. Nach der Cersaie in Bologna, der Marmomac in Verona sowie den Einladungen zu Iris Ceramica und Antolini bleibt für Torsten Müller vor allem eine Erkenntnis: 2026 entscheidet nicht die lauteste Neuheit, sondern das Zusammenspiel aus Material, Licht, Proportion, Nutzung und Atmosphäre.
Sie planen ein hochwertiges Bad, ein Bad en Suite oder einen Private Spa?
Die Perspektive des Planers
Wer Cersaie und Marmomac besucht, sieht in wenigen Tagen mehr Material, Oberfläche und Inszenierung als sonst in vielen Monaten. Neue Keramiken, transluzente Anwendungen, geriffelte Oberflächen, farbige Becken, skulpturale Wannen und immer präzisere Duschsysteme konkurrieren um Aufmerksamkeit.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Arbeit eines Planers: nicht alles zu sammeln, sondern zu unterscheiden.
Die Cersaie 2026 fand vom 21. bis 25. September in Bologna statt. Die Marmomac folgte vom 22. bis 25. September in Verona. Beide Veranstaltungen bilden wichtige internationale Treffpunkte ihrer jeweiligen Materialwelten: Cersaie für keramische Oberflächen und Badgestaltung, Marmomac für Naturstein, Verarbeitung und die gesamte Wertschöpfungskette des Steins.
Ich war in Italien, um nicht einfach Neuheiten zu fotografieren. Mich interessiert, was davon in einem realen Bad, einem Bad en Suite, einem Private Spa oder einem Wohnraum Bestand haben kann. Diese Haltung prägt auch meine Arbeit als Designer und die Planung anspruchsvoller Raumkonzepte.
Meine Leitfrage lautet nicht: Was ist neu? Sondern: Was wird relevant, wenn der Messestand verschwindet?
Cersaie 2026: Keramik wird sinnlicher – aber nicht automatisch besser
Auf der Cersaie war zu sehen, wie stark keramische Oberflächen inzwischen über das Auge hinaus gedacht werden. Fühlbare Strukturen, reliefartige Zeichnungen, textile Anmutungen und differenzierte Oberflächen sollen Material nicht nur abbilden, sondern erfahrbar machen.
Das ist eine wichtige Entwicklung. Ein Bad wird nicht allein über Farbe und Format erlebt. Licht wandert über Flächen. Die Hand berührt den Waschtisch. Wasser trifft auf Material. Eine Wand steht morgens anders im Raum als abends. Gerade im Private Spa ist diese sinnliche Ebene entscheidend.
Fühlbare Keramik braucht ein gutes Lichtkonzept
Eine Struktur kann im flachen, gleichmäßigen Licht fast verschwinden. Mit seitlichem oder indirektem Licht dagegen entstehen Schatten, Tiefe und Bewegung. Das bedeutet: Eine strukturierte Fliese ist keine isolierte Produktentscheidung.
Sie braucht:
- die richtige Blickrichtung,
- eine kontrollierte Lichtquelle,
- eine passende Fugen- und Formatlogik,
- Abstand zu anderen starken Mustern,
- und eine Nutzung, die ihre Wirkung langfristig trägt.
Genau deshalb plane ich Licht nicht am Ende als dekorative Ergänzung. Licht entscheidet mit darüber, ob eine Oberfläche ruhig, kostbar, hart, kühl oder lebendig wirkt. Mehr zu diesem Zusammenhang gehört in die interne Themenwelt Bad-, Spa- und Interior-Design.
Keramik ist nicht Naturstein – und muss es auch nicht sein
Keramik kann technisch, formal und wirtschaftlich überzeugende Lösungen ermöglichen. Sie ist nicht automatisch die schlechtere Alternative. Aber sie besitzt eine andere Tiefe, eine andere Alterung und eine andere Beziehung zum Raum als gewachsener Naturstein.
Naturstein erzählt von Herkunft, Zeit und geologischer Bewegung. Keramik übersetzt, interpretiert und standardisiert Material. Beides kann richtig sein. Falsch wird es erst, wenn eine Oberfläche nur deshalb gewählt wird, weil sie auf dem Muster spektakulär aussieht oder wie etwas anderes wirken soll.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Materialeigenschaft soll dieser Raum tragen – und wie wird sie im Alltag erlebt?
Drei Eindrücke, die von der Cersaie bleiben
1. Die transluzente Wanne als Lichtkörper
Transluzente Wannen ziehen Aufmerksamkeit an, weil sie ihre Wirkung mit dem Licht verändern. Sie sind nicht einfach ein weißes Sanitärobjekt, sondern können – richtig eingesetzt – zum leuchtenden Körper im Raum werden.
Für ein hochwertiges Bad reicht der Effekt allein jedoch nicht. Die Wanne braucht eine klare Position im Grundriss, einen ruhigen Hintergrund und eine Sichtachse, die ihre Präsenz zulässt. In einem überladenen Raum verliert sie ihre Besonderheit.
2. Geriffelte Oberflächen verändern den Lichteinfall
Riffelungen und vertikale Strukturen erzeugen Rhythmus. Auf einer Wanne, einem Waschtisch oder einer Wand können sie dem Raum eine feinere, fast architektonische Ordnung geben.
Ihre Wirkung hängt stark vom Maßstab ab. Zu grob können sie dominant werden; zu fein bleiben sie aus der Distanz unlesbar. Deshalb muss eine solche Oberfläche immer im Verhältnis zu Raumgröße, Betrachtungsabstand und Beleuchtung beurteilt werden.
3. Heizkörper werden Teil der Raumarchitektur
Auch technische Elemente wie Heizkörper prägen die Wirkung eines hochwertigen Bades. Die Caleido-Inszenierung auf der Cersaie zeigt eine bewusst vertikale, reduzierte Lösung: klare Linien, ruhige Proportionen und eine präzise Einbindung in die Wand.
Gerade im Bad oder Private Spa sollte Technik nicht erst nachträglich untergebracht werden. Position, Achse, Oberfläche und Bedienbarkeit gehören in das Gesamtkonzept. Gute Badplanung beginnt deshalb vor der Produktauswahl – mit Wegen, Blicken, Körpern und dem tatsächlichen Ritual der Nutzung. Der passende Einstieg ist die Seite Badplanung mit Konzept.
Iris Ceramica und Diesel: Wenn Oberfläche zur Inszenierung wird

Im Umfeld der Cersaie war ich auf Einladung bei der Design‑Night von Iris Ceramica Group und Diesel Living. Das offizielle Programm stellte vom 21. bis 24. September vier Design Nights unter das gemeinsame Thema „one matter many stories“; die Showrooms waren vom 21. bis 25. September geöffnet. Die Angaben stammen aus dem offiziellen Programm von Iris Ceramica Group.
Die Inszenierung zeigt, wie stark sich keramische Materialien heute zwischen Architektur, Lifestyle und Markenwelt bewegen. Das ist spannend, weil Oberflächen dadurch emotionaler und erzählerischer werden. Gleichzeitig steigt die Verantwortung der Planung: Eine starke Markeninszenierung darf nicht ungeprüft in einen privaten Raum übertragen werden.
Ein Wohnhaus ist kein Messestand. Ein Bad ist kein Kampagnenbild. Die Aufgabe besteht darin, aus einer kraftvollen Idee eine Atmosphäre zu entwickeln, die auch nach dem ersten Eindruck noch funktioniert.
Marmomac 2026: Naturstein braucht nicht mehr Aufmerksamkeit, sondern mehr Auswahl

Auf der Marmomac bleibt der Blick an außergewöhnlichen Steinen hängen. Große Zeichnungen, tiefe Farben, kristalline Einschlüsse und transluzente Platten erzeugen Bilder, die man nicht so schnell vergisst.
Aber ein beeindruckender Stein ist noch kein guter Stein für einen konkreten Raum.
Die entscheidenden Fragen vor der Auswahl
- Passt die Zeichnung zur Größe und Geometrie des Raumes?
- Wie verhält sich der Stein im tatsächlichen Licht?
- Wo liegen Schnitt, Fuge und Übergang?
- Wie wird die Oberfläche im Alltag gepflegt?
- Darf der Stein der Hauptdarsteller sein – oder braucht er Ruhe durch andere Materialien?
Eine lebhafte Maserung kann genau richtig sein. Sie braucht dann nicht überall Konkurrenz. Ein Natursteinbecken, eine Wand oder eine Wanne kann den Charakter eines Raumes bestimmen. Der Rest sollte diese Entscheidung tragen, nicht übertönen.
Naturstein ist deshalb keine Dekoration, die man am Ende ergänzt. Er ist oft der Ausgangspunkt für Proportion, Licht und Materialdramaturgie. Mehr zu dieser Haltung findet sich in der Themenwelt Bad und Naturstein.

Antolini: Material muss man sehen – und im Zusammenhang beurteilen

Nach der Marmomac war ich auf Einladung bei Antolini. Gerade dort wird sichtbar, warum Materialauswahl nicht allein am Bildschirm funktionieren kann. Ein Stein verändert sich mit Maßstab, Oberfläche, Lichteinfall und Nachbarschaft.
Die Frage ist nicht, ob ein Material auf einer einzelnen Platte spektakulär wirkt. Die Frage ist, ob es in einem Raum eine Beziehung aufbaut: zum Menschen, zur Architektur und zu den anderen Materialien.
Das ist der Grund, weshalb ich Kundinnen und Kunden bei anspruchsvollen Projekten nicht mit einer langen Produktliste alleinlasse. Material muss ausgewählt, sortiert, im Licht betrachtet und auf seine spätere Rolle im Raum geprüft werden.

Was 2026 wirklich relevant ist
Aus den Tagen in Bologna, Verona und den Besuchen bei Iris Ceramica und Antolini lassen sich für mich fünf klare Entscheidungen ableiten.
1. Sicherheit statt „günstiger“
In einem hochwertigen Projekt ist die vermeintlich günstige Entscheidung oft nur kurzfristig günstig. Entscheidend sind Passung, Verfügbarkeit, Verarbeitung, Ersatzteilfähigkeit und die Qualität der Umsetzung.
2. Wellbeing statt Status
Ein Private Spa muss nicht durch möglichst viele Luxusprodukte beeindrucken. Es muss einen Zustand ermöglichen: ankommen, abschalten, pflegen, regenerieren. Deshalb sind Wege, Akustik, Temperatur, Licht und Privatsphäre genauso wichtig wie die sichtbaren Materialien. Private Spa planen
3. Materialehrlichkeit statt Imitation um jeden Preis
Keramik darf Keramik sein. Naturstein darf Naturstein bleiben. Holz, Metall, Glas und Textilien besitzen jeweils eigene Qualitäten. Ein Raum gewinnt, wenn diese Eigenschaften nicht verwischt, sondern bewusst komponiert werden.
4. Haptik statt bloßer Bildschirmwirkung
Was auf dem Display gut aussieht, kann sich im Raum flach, kalt oder beliebig anfühlen. Hochwertige Innenräume brauchen Material, das auch bei Nähe, Berührung und wechselndem Licht überzeugt.
5. Urteilskraft statt Neuheitenstress
Nach mehr als 25 Jahren in der Planung und auf internationalen Designmessen suche ich nicht die lauteste Neuheit. Ich suche die richtige Entscheidung für die Menschen, die mit einem Raum leben.


Was das für Ihr Bad oder Ihren Private Spa bedeutet
Die Messe ist vorbei. Die eigentliche Planung beginnt jetzt.
Wenn Sie ein Masterbad, ein Bad en Suite oder einen Private Spa mit einem Budget ab etwa 50.000 Euro realisieren möchten, sollten Sie nicht mit einzelnen Produkten beginnen. Beginnen Sie mit den Fragen:
- Wie soll sich der Raum morgens und abends anfühlen?
- Welche Sichtachsen sollen entstehen – und welche nicht?
- Wie viel Offenheit verträgt die Verbindung zum Schlafzimmer?
- Welche Materialien dürfen altern und Patina entwickeln?
- Wo braucht es Ruhe, wo Spannung?
- Wie soll Licht den Raum im Tagesverlauf verändern?
Aus diesen Antworten entsteht ein Konzept. Erst danach werden Naturstein, Keramik, Sanitärobjekte, Armaturen, Licht und Spezialanfertigungen ausgewählt.
Fazit: Italien liefert keine fertigen Räume
Cersaie und Marmomac liefern Inspiration, Material und Gesprächsstoff. Sie liefern aber keine fertigen Lösungen für das eigene Zuhause.
Die relevante Leistung beginnt dort, wo die Messe endet: beim Übersetzen. Aus einer transluzenten Wanne wird erst dann ein guter Raumkörper, wenn Position und Licht stimmen. Aus einer außergewöhnlichen Natursteinplatte wird erst dann Architektur, wenn sie Proportion und Nutzung trägt. Aus einer starken Keramik wird erst dann Atmosphäre, wenn sie nicht nur auffällt, sondern bleibt.
Ich suche nicht den auffälligsten Stein und nicht die neueste Oberfläche. Ich suche das Material, das zum Menschen und zum Raum passt.
Wenn Sie aus Ihren Ideen einen klaren, realisierbaren Entwurf entwickeln möchten, können Sie ein Erstgespräch zur Bad- und Private‑Spa‑Planung anfragen.
FAQ zu Cersaie, Marmomac und Badtrends 2026
Was war der wichtigste Trend der Cersaie 2026?
Nicht eine einzelne Produktneuheit, sondern die stärkere Verbindung von Oberfläche, Haptik und Licht. Keramik wird sinnlicher und architektonischer eingesetzt. Ihre Qualität zeigt sich aber erst in der konkreten Planung.
Was ist der Unterschied zwischen Cersaie und Marmomac?
Cersaie konzentriert sich auf keramische Fliesen, Oberflächen und Bad‑ beziehungsweise Architekturthemen. Marmomac ist die internationale Veranstaltung für Naturstein, dessen Verarbeitung, Technologien und Anwendungen. Beide Materialwelten ergänzen sich, sind aber nicht austauschbar.
Ist Naturstein besser als Keramik?
Nein. Naturstein und Keramik besitzen unterschiedliche Eigenschaften. Die richtige Wahl hängt von Nutzung, gewünschter Haptik, Licht, Pflege, Proportion, Budget und der gestalterischen Rolle im Raum ab.
Wie plane ich einen Private Spa richtig?
Mit dem Nutzungserlebnis als Ausgangspunkt. Wege, Privatsphäre, Akustik, Temperatur, Licht und Material müssen gemeinsam geplant werden. Sauna, Dusche, Wanne und Ruhezone sind keine Einzelprodukte, sondern Teile eines Ritualraums.
Wann sollte ich mit der Planung eines hochwertigen Bades beginnen?
So früh wie möglich – idealerweise vor endgültigen Rohbau‑ und Installationsentscheidungen. Viele Qualitätsprobleme entstehen, wenn Sichtachsen, Entwässerung, Licht und Einbaupositionen erst nach der Produktauswahl geklärt werden.
Plant Torsten Müller auch außerhalb von Köln und Bonn?
Ja. Projekte werden regional in Köln, Bonn und Düsseldorf sowie bundesweit und selektiv international bearbeitet. Der erste Schritt ist eine qualifizierte Anfrage mit Raumdaten, Bildern, Budgetrahmen und Ziel des Projekts.
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